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Ratgeber
Von Gerald Dietz

Potsdam.
Klasse statt Masse – mit diesen schmeichelnden Worten lässt sich Brandenburgs Hochschullandschaft sozusagen aus professioneller Sicht charakterisieren. Studierende erwarte eine „deutlich persönlichere Hochschullehre“, als in Großstädten wie etwa Berlin, die „gleichzeitig viele Spezialisierungsmöglichkeiten bietet“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Landesvereinigung außeruniversitärer Forschung Brandenburgs (Lauf) und Präsident der Astronomischen Gesellschaft in Deutschland, Matthias Steinmetz. Der Physik-Professor an der Universität Potsdam und Chef des hiesigen Leibniz-Instituts für Astrophysik sieht den Grund für die im Vergleich außergewöhnliche Spezialisierung vor allem in der ausgeprägten märkischen Forschungsszenerie.

Rund 50 wissenschaftliche Einrichtungen außeruniversitärer und an Hochschulen angesiedelter Institute insgesamt, die in vielen Bereichen kooperieren, schaffen ein Umfeld für Studierende, das in seiner Art besonders in Deutschland ist. Auch eine neue Bewerbung der Universität Potsdam für das bundesweite Forschungsförderprogramm für Spitzen-Hochschulen im Rahmen der Exzellenzstrategie mit dem Schwerpunkt Geo- und Biowissenschaften fußt entscheidend auf Kompetenzen entsprechender Institute auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Der Vorstoß wird die Attraktivität der brandenburgischen Landeshauptstadt für Studierende weiter deutlich steigern, sind sich Fachleute einig.

„Das ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung, die hier vonstatten gegangen ist“, lobt auch der Vize-Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren Reinhard Hüttl. Die „geglückte Verbindung“ außeruniversitärer und Hochschulforschung habe viele Studiengänge „auf einen guten Weg gebracht“, so der Vorstand des Potsdamer Geoforschungszentrums und Bodenschutz-Professor an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Das ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung.

Reinhard Hüttl Vizepräsident Helmholtz Gemeinschaft

Zahlreiche außeruniversitäre Forscher sind gleichzeitig akademisch Lehrende im Land. „Sie bringen nicht nur ein deutlich breiteres Angebot an Spezialisierungen sondern auch eine ausgeprägte wissenschaftliche Aktualität mit in die Hochschulen“, so Steinmetz. Zudem steht die zum Teil höchsten Anforderungen genügende Infrastruktur an Instrumenten der Forschungszentren oft auch den Hochschulen zu Diensten.

Doch Studierende profitieren nicht nur an der Hochschule von der außeruniversitären Forschung. „Sie bietet auch ein ungeheuer breites Spektrum von Praktikumsplätzen, Jobs und beruflichen Möglichkeiten in der Wissenschaft“, so Steinmetz. Das macht den Einstieg in die wissenschaftliche Karriereleiter – Studierender in Bachelor und Master, wissenschaftliche Hilfskraft, angestellter Forscher, Promotion und Professur – durchaus im Umfeld möglich.

Der Verbund aus Hochschulen und Instituten steht zudem für ein außerordentlich modernes Studienangebot. In der praktizierten Verbindung zwischen Geo- und Biowissenschaften spiele „Musik der Zukunft“, so Hüttl. Gleiches gelte für die Kooperationen in Fachbereichen wie Nachhaltigkeit und Klimafolgen. Sie würden bei jungen Menschen beliebte Studienangebote schaffen, die Ökologie mit Ökonomie und Gesellschaftsentwicklung in einen Fokus bringen. Die Digitalisierung und Kreierung neuer Nutzungen der überall anfallenden Datenflut (Big Data genannt), mit der sich Projekte von Forschungszentren und dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut befassen, machen die Mark laut Hüttl auch zum Vorreiter neuer Wissenschaftszweige wie Data-Science.

Jura als einzelner Studiengang vorn

Unter den mehr als 580 an brandenburgischen Hochschulen angebotenen in unterschiedlichen Fachrichtungen und Abschlüssen differenzierten Studiengängen dominieren als einzelne Disziplinen weiter die Rechts- und Betriebswissenschaften mit jeweils mehr als 1000 Erstsemestern. Das zeigt eine bis 2015 reichende aktuelle Aufstellung des Wissenschaftsministeriums. Bei Jura sind demnach Zuwächse gegenüber dem vorhergehenden Jahr um bald ein Fünftel zu verzeichnen, während das Interesse an der Betriebswirtschaft leicht sinkt.

Nach wie vor gefragt ist auch Germanistik/Deutsch mit mehr als 460 Erstsemestern 2015. Beliebt ist zudem die Volkswirtschaftslehre mit rund 380 Erstsemestern 2015. Attraktiv zeigen sich auch Interdisziplinäre Studien in den Sprach- und Kulturwissenschaften mit knapp 260 Studienanfängern. Mit mehr als 800 Erstsemestern immatrikulierten sich 2015 Ingenieure, allerdings in den verschiedensten Fachrichtungen von Bau über Wirtschaft bis zu Umwelt.

Zunahmen sind zum Teil in naturwissenschaftlichen und Umwelt-Studiengängen zu verzeichnen, in die auch Spezialisierungen wie Nachhaltigkeitsforschungen fallen. Hier waren 2015 insgesamt rund 1500 Erstsemester bilanziert worden. gd

Entspannt studieren in Brandenburg

Aus studentischer Sicht bietet das Land eine ganze Reihe von handfesten Vorteilen

Potsdam. Überfüllte Hörsäle, Gedränge auf den Gängen und Professoren, die nur selten mal ein Ohr für Studierende haben – das ist die Realität in vielen deutschen Universitäten. Im Land Brandenburg sieht es dagegen meist anders aus.

„Hier sind die Hochschulen nicht so überlaufen“, sagt Florian Blume, der im fünften Semester Jura an der Viadrina in Frankfurt (Oder) studiert. „Der Kontakt zum Hochschullehrer ist direkter, es gibt kurze Wartezeiten und kurze Wege“, resümiert er die Situation in der Grenzstadt. Durch seine Arbeit in der Brandenburgischen Studierendenvertretung, einem Zusammenschluss der studentischen Interessenvertretungen im Land, hat er einen gewissen Überblick auch über die anderen Hochschulstandorte. Sein Urteil: Im Vergleich zu Berlin sei selbst Potsdam wenig überlaufen. In Cottbus oder Eberswalde (Barnim) ist noch etwas weniger Trubel.

Damit ist dort nicht nur das Studium selbst entspannter, schon der Zugang zum Studienplatz ist meist einfacher, weil sich weniger Bewerber um einen Platz balgen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass auch das studentische Kulturleben an den märkischen Hochschulstandorten in der Regel überschaubar ist. Clubs oder Szenekneipen sind eher rar. Hinzu kommt, dass viele Studierende in Berlin wohnen und mit der Bahn täglich beispielsweise nach Potsdam oder Frankfurt pendeln. Das Semesterticket, mit dem Busse und Bahnen in Berlin und Brandenburg kostenlos genutzt werden können, macht es möglich.

Es gibt kurze Wartezeiten und kurze Wege

Florian Blume, Studierendenvertretung Brandenburg

Florian Blume, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist, hat sich gegen das Pendeln entschieden. „Mir haben an der Viadrina vor allem die Internationalität und das europäische Profil gefallen“, berichtet er. Das wollte er im Alltag erleben, anstatt viele Stunden in der Bahn zu verbringen. Deshalb hat er sich zu Beginn seines Studiums auch bewusst eine Wohngemeinschaft im polnischen Slubice auf der anderen Oderseite gesucht. Er spricht inzwischen ein wenig Polnisch und genießt die Internationalität der Grenzstadt, auch wenn er inzwischen auf die deutsche Seite der Oder zurückgezogen ist.

Zudem machte er die Entdeckung, dass Brandenburger Hochschulstandorte noch Gestaltungsmöglichkeiten bieten, die es anderswo in dieser Form nur selten gibt. In Frankfurt etwa konnte eine leerstehende Ladenzeile als Freiraum für studentische Initiativen wie Hochschulgruppen, Kunstprojekte oder das Uniradio gewonnen werden, die nun in Form der sogenannten Studierendenmeile an einem Ort gebündelt sind. „Es gibt hier noch mehr Gestaltungsspielraum als an vielen klassischen Unistandorten“, ist Florian Blume überzeugt. Er bereut es daher nicht, sich für die Oderstadt und nicht für Münster oder Hannover entschieden zu haben, wie er ursprünglich ebenfalls erwogen hatte.

Bei der Studienplatzwahl sollten allerdings die fachlichen Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, empfiehlt der angehende Jurist. Der Schulabgänger sollte sich also zuerst fragen: Welcher Studiengang bietet Perspektiven für ein erfüllendes berufliches Leben? Wo lässt sich das mit welchen Schwerpunkten studieren? Welche Universität hat ein Profil, das meinen Interessen am besten entspricht? Auch bei diesen harten Standortfaktoren können Brandenburger Hochschulen gut mithalten, ist Florian Blume überzeugt. net

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