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Ratgeber
Von Ulrich Nettelstroth 

Auf gerade einmal 4,3 Prozent der Obstanbaufläche in Deutschland wachsen Birnbäume. Äpfel sind mit 70 Prozent das Lieblingsobst der Deutschen, gefolgt von Süßkirschen, Pflaumen, Sauerkirschen – und erst auf Platz fünf kommt die Birne. Der Berliner Unternehmer Rafael Kugel will das ändern. „Die Birne ist zurückhaltend im Geschmack und hat wenig Säure“, erklärt er. Kurz: Sie ist sehr lecker. In Ribbeck (Havelland) unterhält Rafael Kugel einen berühmten Birnengarten. 2006 im Rahmen der Landesgartenschau in der Kreisstadt Rathenow angelegt, um an den von Theodor Fontane in einem Gedicht verewigten Herrn von Ribbeck zu erinnern, wurde der Garten in der Folge lange vernachlässigt. Jetzt hat Kugel die Streuobstwiese übernommen, um das Gelände zu beleben und für die Birne Werbung zu machen.

Auftakt war der „Tag der Birne“, der am 23. April 2017 erstmals gefeiert wurde. Künftig wird in Ribbeck alljährlich am vierten Sonntag im April die Birnenblüte gefeiert. Weitere Veranstaltungen sollen in diesem Jahr Gäste in den Garten locken: Im Sommer ein „White Dinner“ mit weiß gedeckten Tischen und Strohballen unter den Bäumen, vielleicht noch ein Open-Air-Kino mit dem Pfarrer-Braun-Film „Heiliger Birnbaum“, im November ein öffentlicher Schnittkurs mit Lagerfeuer und Gulaschkanone. Gartenbesitzer Kugel arbeitet mit vielen Partnern zusammen, die meist auch eine Patenschaft über einen Birnbaum übernommen haben. Da ist zum Beispiel der Imker aus Falkensee (Havelland), der zur Blütezeit seine Bienenvölker auf die Streuobstwiese stellt, und der Schäfer aus dem Nachbardorf Berge, der regelmäßig mit seiner Herde kommt, um das Gras niedrig zu halten. Teile der Ernte könnten in der direkt angrenzenden Brennerei der Familie von Ribbeck zu einem Birnen-Edelbrand werden.

Auf der Streuobstwiese in Ribbeck wachsen 23 große Birnbäume: Schweizer Wasserbirne, Gute Luise von Avranche, Madame Verté, insgesamt 14 Sorten. Der Garten ist immer offen, der Zugang befindet sich neben der Gaststätte „Der Ribbecker“, wo sich Besucher Getränke für ein Picknick im Grünen ordern und dann auch leihweise eine Holzkiste und eine Picknickdecke mitnehmen können. Wer im Herbst zur Erntezeit kommt, darf sich natürlich auch die eine oder andere Birne zum Probieren pflücken, sagt Kugel. Schließlich rief der alte Herr von Ribbeck im Fontane- Gedicht. „Lütt Dirn, kumm man röwer, ick hebb’ne Birn.“ Rafael Kugel liebt an dieser Geschichte das Motiv der Großzügigkeit. Ein großer Obstbaum, an dessen Überfluss alle teilhaben können, ist für ihn ein schönes Symbol.

Der Berliner Unternehmer verkauft bundesweit „Havelwasser“, ein Erfrischungsgetränk aus Bio-Birnensaft und Bio-Wein. Die Birnen dafür bezieht er bisher aus dem Alten Land bei Hamburg und der Magdeburger Börde. In Brandenburg hat er bisher nur einen möglichen Lieferanten bei Doberlug-Kirchhain (Elbe- Elster) gefunden. Er ist aber weiter auf der Suche.

Auch in Privatgärten sind Birnen eher selten. Dafür ist unter anderem der Birnengitterrost verantwortlich, ein Pilz, der im Winter auf Wachholderpflanzen lebt und im Sommer die Birnenblätter befällt. Wirksame Gegenmittel gibt es kaum, aber wer die Wachholder aus dem eigenen Garten entfernt, kann den Befall vermindern.
Kugel hat eine Initiative ins Leben gerufen: „Gemeinsam 1001 Birnbäume pflanzen“. Er hat Flyer mit Birnensamen und einer Pflanzanleitung verteilt und schon fast 40 Rückmeldungen von Menschen erhalten, die das im Töpfchen auf der Fensterbank gezogene Bäumchen inzwischen draußen ausgepflanzt haben. Wenn alles glatt geht, kann der Baum nach drei, vier Jahren die ersten Früchte tragen, meint Kugel. Er hofft, dass sich viele Brandenburger von seiner Leidenschaft anstecken lassen.

Info
www.birnengarten-ribbeck.de
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