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Ratgeber
Von Brigitta Sonntag   

Vorsichtig schiebt Arthur das helle Grün zur Seite und beäugt interessiert die Größe der Möhren. Der 6-Jährige widersteht der Versuchung, das orangerote Gemüse aus der Erde zu ziehen. Dabei ist es doch sein Beet, das er seit dem Frühjahr hegt und pflegt. „Die müssen noch wachsen“, urteilt er fachmännisch und entscheidet sich dann fürs Spielen. Vor gut fünf Jahren pachtete Familie Luther einen Kleingarten in der Sparte „Hoffnung 1922 e.V.“ unweit vom Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg. Arthur war da gerade eineinhalb Jahre alt und lernte schnell, wo er ausgelassen spielen kann und wo nicht, weil da Tomate, Rhabarber, Gurke & Co. wachsen.

Für Arthur und Alexander ist der Garten ein Vergnügen.
Für Arthur und Alexander ist der Garten ein Vergnügen.
Mama Anke war die inspirierende Kraft für die familiäre Entscheidung pro Garten. „Viele meiner schönen Kindheitserinnerungen sind mit dem Garten meiner Mama in Rövershagen bei Rostock verbunden“, erinnert sich die Gymnasiallehrerin, die an einem Berliner Oberstufenzentrum unterrichtet.

Ehemann Andreas war anfangs eher skeptisch und nicht ganz so glücklich, als ihm Spartenvorsitzender Michael Grunau bei einem der ersten „Bewerbungsgespräche“ ein bisschen auf den Zahn fühlte, um zu erfahren, wie es um seine handwerklichen Fähigkeiten bestellt sei. Als Ingenieur hatte er gute Karten und „inzwischen habe ich den Garten lieben gelernt und möchte ihn nicht mehr missen“, bekennt er. In diesem Jahr ist der Bau einer Terrasse geplant, der Sand liegt schon bereit – eine große körnige Verführung für den zweijährigen Alexander.

"Ich spüre schon an der Gartentür, wie der Stress von mir abfällt."

Anke Luther, Kleingärtnerin

Von den ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Frühling bis zum Wintereinbruch sind die Luthers in ihrem Großstadt-Refugium, das nur gut fünf Minuten Fußweg von ihrer Babelsberger Wohnung entfernt ist. „Im Sommer sind wir fast täglich hier. Ich spüre schon an der Gartentür, wie der Alltag von mir abfällt“, bemerkt Anke Luther.

Dieses Gefühl kennen auch Freunde der Luthers, die gern hierher kommen. Quer durchs Gemüsebeet gedeihen Kartoffeln, Zwiebeln, Rote Bete, Kohlrabi, allerlei Kräuter und Tomaten, die Anke Luther in diesem Jahr erstmals selbst aus Samen gezogen hat. Biotop ist dabei zutreffend, denn „wir spritzen nicht. Wir müssen ja auch nicht davon leben“, erläutert Hobby-Gärtnerin Anke.

Seit fünf Jahren bewirtschaftet Familie Luther den Kleingarten in Potsdam-Babelsberg
Seit fünf Jahren bewirtschaftet Familie Luther den Kleingarten in Potsdam-Babelsberg
Im grünen Luther-Paradies stehen Apfel-, Kirsch-, Pflaumen- und Pfirsichbaum, dazu Stachel-, Him- und Brombeeren, nicht zu vergessen die bunte Vielfalt der Blumen und ein Weinspalier. Und natürlich bietet der Garten Platz für Buddelkasten, Rutsche, Schaukel und Wiese zum Spielen. Nicht selten werden aus zwei gleich mal vier, fünf oder sechs Kinder, denn die Jüngsten in der Sparte kennen sich wie die Älteren und Alten auch.

„Das ist wie eine große, bunte Familie“, erzählt Andreas Luther. „Man hilft sich gegenseitig, fachsimpelt über Gartenthemen, ist aufmerksam und achtet darauf, dass es dem anderen gut geht. Hier ist es völlig egal, ob einer Professor, Facharbeiter oder gerade ohne Job ist, ob einer in Potsdam oder in Moldawien aufwuchs.“ 62 Gärten gehören zum Verein „Hoffnung 1922“, der sogar ein eigenes Spartenheim hat. Die Mehrzahl der Gärten ist ungefähr 250 Quadratmetern groß. Die Pachtgebühr beträgt zwischen 30 und 40 Euro im Jahr, hinzu kommen noch rund 65 Euro Vereinsgebühr. Erschwingliche Summen für so viel Vergnügen. „Wir erleben gerade einen Generationswechsel“, berichtet Spartenchef Michael Grunau. „Um die Jahrtausendwende hatten wir in der ganzen Sparte zwei, heute sind es 20 Kinder.“

Alles im grünen Bereich bei der „Hoffnung 1922“? Die Luthers und Michael Grunau schütteln den Kopf: „Unsere Sparte ist bis heute nicht 100-prozentig im Flächennutzungsplan Potsdams und erst recht nicht im Bebauungsplan als Dauer-Kleingartenanlage gekennzeichnet.“ Das heißt in der Konsequenz, dass Klagen vom Eigentümer des Landes, der für Bauland enorme Summen erzielen könnte, wie ein drohendes Unwetter seit Jahren über allen Kleingärtnern hier schwebt. „Unvorstellbar, wenn das alles weg müsste“, seufzt Anke Luther. Für alle aber ist eine riesige, bunte Feier zum 100. Geburtstag der Sparte im Jahr 2022 gut vorstellbar.

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