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Ratgeber
Von Ulrich Nettelstroth 

Gartenarbeit kann eine ganz schöne Plackerei sein – etwa wenn es darum geht, das Gemüsebeet vom Unkraut zu befreien oder an heißen Sommertagen das Grün zu wässern. Auch müssen sich Gärtner auf Rückschläge gefasst machen. Saatgut keimt nicht, Schnecken fressen den Salat, die Rose ist voller Mehltau. Trotzdem ist für viele Menschen ihr Garten der Ort, an dem sie am besten entspannen und zur Ruhe kommen können. Und zwar gerade nicht im Liegestuhl, sondern mit Spaten und Rosenschere in der Hand.

Das Wohlfühl-Phänomen wird auch therapeutisch genutzt. In der Gartentherapie werden die gesundheitsfördernden Wirkungen des Umgangs mit Pflanzen genutzt. „Es gibt eine enge Verbindung von Mensch und Natur“, erklärt die Berliner Gartentherapeutin Claudia Schäfer. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist bekannt, dass gerade bei Menschen mit gesundheitlichen oder psychischen Beeinträchtigungen Gartenarbeit einen positiven Effekt haben kann. Bei gesunden Menschen ist sie aber ebenfalls wirksam.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle, erklärt die studierte Landschaftsarchitektin, die sich zur Therapeutin fortgebildet hat. Im Garten bewegt man sich sehr viel und sehr vielfältig. Eine ganze Reihe von sonst selten genutzten Muskelgruppen wird beansprucht. Das gleicht Bewegungsdefizite in unserer von sitzenden Tätigkeiten gekennzeichneten Alltagswelt aus. Draußen sein in einer natürlichen Umgebung ist ein Faktor für sich. Im Freien ist der Mensch mit viel mehr Sinneseindrücken konfrontiert als in geschlossenen Räumen: mit direktem Sonnenlicht, Wärme, Kälte, Wind, Gerüchen, Vogelgezwitscher und anderen Geräuschen.

Aber auch ein ins Haus geholtes Stück Natur kann wertvoll sein, sagt Schäfer, die regelmäßig in Senioreneinrichtungen arbeitet. Für Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, selbst in den Garten zu gehen, bringt sie regelmäßig Pflanzen mit. „Wir bereiten zum Beispiel Blumen für Tischsträuße vor“, erklärt sie. Schon solch eine Tätigkeit ist für die Älteren ein Kontakt mit der Natur. Und bei vielen, die selbst früher einen Garten hatten, werden Erinnerungen wach. Gerade bei Menschen mit Demenz kann das hilfreich sein.

Bauhaus - Der Stadtgarten
Dafür, dass Gärtnern Krankheiten und Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen kann, fanden auch britische Neuro-Wissenschaftler Belege. Sogar bei Menschen, die sich eine Weile mit einer Kräuter- oder Blumenkiste vor dem Fenster beschäftigten, wurden bereits ein spürbarer Rückgang des Blutdrucks und eine gleichmäßigere Herzfrequenz festgestellt. Muskelverspannungen lösten sich und die allgemeine Stimmung verbesserte sich. Möglicherweise sind dafür gutartige Bakterien mitverantwortlich, wie sie in der Gartenerde leben. Bei Mäusen, die Forscher der University of Bristol und des University College London, mit solchen Bakterien in Kontakt brachten, wurde jedenfalls die Bildung des Wohlfühlhormons Serotonin angeregt.

Vielleicht ist beim Menschen aber auch ein anderer Faktor wichtiger. Pflanzen sind Lebewesen wie Tiere und Menschen, sie sind aber viel langsamer in ihren Regungen. Wer mit ihnen umgeht, lernt daher, mit Geduld und Ruhe bei der Sache zu bleiben. Da ist es kein Wunder, wenn der Stresspegel sinkt. Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass in der Bibel das Paradies als Garten beschrieben wird.

Info Einen Überblick über verschiedene Angebote der Gartentherapie bieten die Internetportale
www.iggt.eu www.ggut.org
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