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Ratgeber
Von Ulrich Nettelstroth   

Wenn Kristin Peters mit einer Gruppe von Interessierten über die Wiesen und Felder am Dreetzer See (Ostprignitz-Ruppin) spaziert, dann weiß sie fast zu jeder Pflanze am Wegesrand etwas zu sagen. Bei ihren Kräuterwanderungen geht es darum, Wild- und Heilpflanzen in ihrer natürlichen Umgebung kennenzulernen. Die Teilnehmer sammeln Pflanzenteile in mitgebrachten Körben und Beuteln. Aber behutsam, darauf besteht die 47-Jährige, denn die Natur soll nicht geschädigt werden.

Die promovierte Agraringenieurin, die früher an der Humboldt-Universität Berlin und der Hochschule Vechta (Niedersachsen) gearbeitet hat, lebt jetzt im 80-Einwohner-Dorf Brunn (Ostprignitz-Ruppin) und hat sich seit zwölf Jahren ganz der Pflanzenheilkunde verschrieben. Im großen Garten hinter ihrem Haus wachsen neben Küchenkräutern wie Basilikum und Koriander auch Heilpflanzen wie Wermut. „Das ist eine der bittersten Pflanzen überhaupt und sehr wirksam bei Verdauungsbeschwerden“, erklärt sie.

Auch zwischen den Gemüsepflanzen sprießen überall Wildkräuter. Schafgarbe beispielsweise, die bei der Wundheilung hilft, oder Gundermann. Im Frühjahr, wenn die Pflanze ihre violetten Blüten trägt, kann sie als Heilpflanze etwa gegen eitrige Erkrankungen wie Pickel oder Bronchitis gesammelt werden. Danach lässt die Heilwirkung nach. „Aber die Blätter schmecken im Salat sehr gut“, sagt Peters.

"Das sollte doch auch hier möglich sein."

Kristin Peters, Agraringenieurin

Peters sieht in Pflanzen immer lebendige Wesen, mit denen respektvoll umgegangen werden muss. Und mit denen der Mensch auch kommunizieren kann. Sie zitiert dazu wissenschaftliche Studien, nach denen Pflanzen messbar auf Ansprache und auch Lob reagieren. Hinter dem berühmten „grünen Daumen“ erfolgreicher Gärtner verstecke sich daher wohl meist ein gutes Verständnis zwischen Mensch und Pflanze. Dass Pflanzen unterein-ander Informationen austauschen, über Schädlingsbefall beispielsweise, wurde inzwischen auch bereits nachgewiesen.

„Heimische Pflanzenschätze neu entdecken“ heißt ein Wandkalender im A3-Format, den die Kräuterkundlerin jährlich herausgibt. Die Auflage für 2017 war sehr gut nachgefragt, berichtet sie. Und für den neuen Kalender für 2018 hat sie die Seiten schon vorbereitet.

In jedem Monat wird eine Pflanze vorgestellt, die für Brandenburg charakteristisch ist: Der Wunder-Lauch zum Beispiel, auch Berliner Bärlauch genannt, der Augentrost oder die Hundsrose. Ihre Früchte, die Hagebutten, sind ein echtes Superfood, das noch dazu fast überall in Brandenburg zu finden ist, so Kristin Peters.

Die Heilkräuter-Expertin hält regelmäßig Vorträge, führt Workshops und Wanderungen durch und berät zur Naturheilkunde. Die gebürtige Brandenburgerin hat lange in Berlin gelebt und hat dort auch noch viele Verbindungen. Aber auch in Brandenburg ist sie gut vernetzt.

Ein Projekt, das sie künftig gerne zusammen mit Brandenburger Partnern verwirklichen würde, ist ein Produktionsbetrieb für pflanzliche Heilmittel. Denn bisher stammen fast alle naturheilkundlichen Mittel im Handel aus der Schweiz oder Süddeutschland. „Das sollte doch auch hier möglich sein“, sagt Kristin Peters. Es habe auch schon Gespräche mit der Wirtschaftsförderung Brandenburg gegeben. Aber die Idee steht noch ganz in den Anfängen, betont sie.

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