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Von Michaela Weiss    

Brandenburg/Havel.
Die Antwort auf die Frage, wann ein Leben beginnt, scheint individuell verschieden. Für viele ist der Beginn des Lebens der Moment, in dem ein Baby im Kreißsaal schreit, der Augenblick, in dem ein Kind das Licht der Welt erblickt. Mütter empfinden das ganz anders.

Oft vor der Gewissheit, schwanger zu sein, sagt das „Bauchgefühl“, dass etwas anders ist. Mit der medizinischen Bestätigung beginnt eine neue Wahrnehmung. „Ich bin nicht mehr allein“. Die moderne Technik macht Fotos vom Nachwuchs möglich, bevor er geboren wird. Sobald das Ultraschallgerät mit einem Blinken den Herzschlag zeigt, steht fest: Ein neues Leben hat begonnen. Im Kopf entstehen Namen, Kinderzimmer, Babysachen werden ausgesucht, …

Aber für einige Eltern zerbricht im nächsten Atemzug diese neue Welt. Nicht jede Schwangerschaft endet mit der Freude der Geburt eines gesunden Kindes. Die moderne Medizin ermöglicht es sehr früh und genau, den Entwicklungs- und Gesundheitszustand des entstehenden Lebens zu begleiten. Werden schwere Störungen sichtbar, dürfen Eltern in befristeten Zeiträumen entscheiden, ob die Schwangerschaft abgebrochen wird. „Weil wir heute so großes Vertrauen in die Medizin haben, nehmen wir das nicht mehr so schicksalshaft ergeben an. Auch sehen wir mit einem sensibel geschärften Blick auf alles, was Menschen Leid verursacht. Ethisches Fragen, Formulieren und Handeln gewinnt Beachtung.“, erzählt Felicitas Haupt, Seelsorgerin im Städtischen Klinikum Brandenburg. Sie kümmert sich um Sternenkinderbeisetzungen und bietet betroffenen Eltern Gespräch und Hilfe an. So begegnete ihr Jenny Paepke. Mindestens zweimal wöchentlich geht sie auf den Neustädtischen Friedhof, um Kerzen für ihre Töchter anzuzünden und frische Blumen zu bringen. „Es gibt mir Kraft, sie an diesem Ort besuchen zu können und zu wissen, dass sie zusammen sind.“, sagt sie. Im Herbst 2016 verlor sie plötzlich ihre Babys in der Mitte der Schwangerschaft.

Wen der Weg in diesen Bereich des Neustädtischen Friedhofs führt, der trifft auf eine Wiese, die oft unscheinbar überquert wird. „Hier ruhen Kinder, die nicht in dieses Leben geboren wurden“ steht auf einem grauen Stein in ihrer Mitte.

Früher wurden sogenannte Tot- und Fehlgeburten regelrecht entsorgt und nicht anders als Amputationen und OP-Reste behandelt. Nach einem Aufschrei von trauernden Eltern und Presse änderte sich das zum Ende der 1990 Jahre. Das Städtische Klinikum Brandenburg ermöglicht seit 2002 Sammelbestattungen für „Sternenkinder“, die für Eltern kostenfrei sind. Träger hiervon sind neben dem Klinikum der Friedhof der St. Katharinen- Kirchengemeinde, Fliedners, die Björn Schulz Stiftung sowie das Bestattungshaus Dieckmann, das auch die 30 Zentimeter kleinen Särge kostenfrei stellt.

In Zeiten davor mussten Eltern zu den Verlusten ihrer Kinder die Tatsache ertragen, keinen Ort der Ruhe und zum Trauern zu haben. Artikel 1, Abs. 1 im Grundgesetz „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ schließt seither auch Sternenkinder ein. Seit 2013 kann auch im Standesamt die „Existenz des Kindes“ mit Namen eingetragen werden. Denn sie haben ja existiert, wenn auch nur ein paar Wochen. Doch im Herzen bleiben sie immer. Jenny Paepke wünscht sich für ihre Töchter, dass ihre Ruhestätte keine anonyme Wiese bleibt, die wie jede andere von Füßen oder Fahrrädern überquert wird. Nicht der Stein ist der Ort, wo die Kinder ruhen, sondern die Wiese selbst. In den letzten Jahren wurden hier Sternenkinder bestattet, deren Ruhestätte nicht erkennbar ist.

In Jenny wuchs der Wunsch, Zeichen für ein existentes Leben zu setzen und den Ort liebevoll gestalten zu dürfen. Inzwischen trifft sich eine Gruppe von Sternenkindermüttern. In Absprache mit ihnen hat Seelsorgerin Felicitas Haupt Schieferherzen mit Jahreszahl anfertigen lassen, die künftig die Ruhestätten der Sternenkinder kennzeichnen.

Der Leiter des Friedhofs, Martin Mitrenga, steht der Initiative offen, verständnisvoll gegenüber. Doch die Ordnung des Friedhofs muss eingehalten werden und jede „private“ Gestaltung zieht Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit auf längere Sicht nach sich.

Jenny wünscht sich eine Gemeinschaft, die das alles mit dem Herzen, mit tatkräftiger Hilfe oder einer Spende mit unterstützt. Felicitas Haupt steht dabei hinter ihr. Eltern oder Interessierte, sind eingeladen Engagement bei der Initiative für Sternenkinder zu zeigen, einen liebevollen Platz herzurichten, Helfer und Sponsoren sind aufgerufen, Kontakt aufzunehmen und an die ersten Schritte von Jenny Paepke und Seelsorgerin Felicitas Haupt anzuknüpfen. „Wir wären dankbar, von Privatpersonen, gärtnerisch Interessierten, bei der Grabpflege unterstützt zu werden. Auch Menschen, die sich mit Ideen zur Gestaltung beteiligen wollen und solche, die dann mit zupacken können werden wir brauchen. Für weitere Vorhaben sind wir auf Geldspenden angewiesen.“ Gesucht werden „Menschen mit Herz für Sternenkinder“, so hat es Jenny Paepke in ihrem Unterstützungsbrief geschrieben.

Kontakt für Unterstützer 

Jennifer Paepke:

Telefon:
0173 / 850 15 54

Felicitas Haupt,
Seelsorgerin: seelsorge@klinikum-brandenburg.de

Telefon: 033 81 / 41 28 00

Spendenkonto: KVV Potsdam Brandenburg

IBAN: DE56520604100103909859

Verwendungszweck: 3450-1410
Spende Sternenkinder

Ort der Stille in der Stadt

Tag des Friedhofs: Neustädtischer Friedhof steht im Mittelpunkt

Im Rahmen des Tags des Friedhofs wird der neue Glockenturm eingeweiht. FOTO: PRIVAT
Im Rahmen des Tags des Friedhofs wird der neue Glockenturm eingeweiht. FOTO: PRIVAT
Brandenburg/Havel. Ein Ort der Ruhe und Besinnung mitten in der Stadt: Friedhöfe sind oft grüne Inseln im von Verkehr und Hektik geprägten städtischen Raum. Mit dem bundesweiten Tag des Friedhofs wird auf ihre Bedeutung nicht nur als Begräbnisstätten hingewiesen. Während Trauernde hier einen geschützten Raum finden, um sich von den Verstorbenen zu verabschieden und ihrer zu gedenken, bieten die Friedhöfe allen Menschen Ruhe und einen Raum zum Entspannen.

Die zentrale Veranstaltung im Land Brandenburg zum diesjährigen Tag des Friedhofs, der unter dem Motto „Raum für Erinnerung“ steht, findet am 16. September auf dem Neustädtischen Friedhof in Brandenburg an der Havel statt, einer der bedeutendsten Begräbnisstätten des Landes. Bereits im Jahr 1740 wurde der Friedhof auf einem Gelände außerhalb der Stadtmauer angelegt, zwischen dem Steintor und dem St. Annentor. Heute liegt er inmitten der Bahnhofsvorstadt, zwischen Hauptbahnhof und historischem Stadtkern.

Die Anlage wurde von Anfang an so großzügig gestaltet, dass nicht genutzte Bereiche zunächst als Ackerland, Gewerbefläche für Tuchmacher oder Exerzierplatz Verwendung fanden. Das Hauptwegesystem entstand schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erhielt ab 1880 seine heutige Ausformung. Die ältesten und wertvollsten Grabmale vom Ende des 18. Jahrhunderts befinden sich an der nördlichen Friedhofsmauer. Es gibt noch weitere bedeutende Begräbnisstätten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Ortsgeschichtliche Bedeutung erlangt der Friedhof, weil hier viele stadtgeschichtlich bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Zum Tag des Friedhofs gibt es auf dem Neustädtischen Friedhof am 16. September um 11 Uhr eine Friedhofsführung unter dem Motto „Vom königlichen Commerzienrat bis zum Stadtrat“. Es gibt Ausstellungs- und Informationsstände und es werden Getränke angeboten. Im Rahmen einer Andacht wird um 13.30 Uhr der neue Glockenturm auf dem Friedhof eingeweiht. Um 16 Uhr gibt es außerdem eine Filmvorführung. Der Eintritt ist frei. net
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