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Ratgeber
Von Franziska Klemenz

Dresden. Kann er seinen Augen trauen? Nach jahrelanger Blindheit plötzlich Licht. Und Farben. Moderne Technologien geben dem Patienten sein Augenlicht zurück – so will es die Wissenschaft. Bislang nur ein Tagtraum, organische Elektronik könnte ihn verwirklichen. Karl Leo, Physik-Professor und Pionier auf dem Gebiet, glaubt daran. Seit 30 Jahren erforscht und entwickelt er die organische Elektronik, 2009 gründete er mit anderen Verfechtern das Netzwerk „Organic Electronics Saxony“ (OES).

35 Mitglieder mit mehr als 1500 Mitarbeitern umfasst das Netzwerk heute. Unternehmen wie Von Ardenne gehören zu den prominenten Aushängeschildern. Ein europaweites Unikat mit Sitz in Sachsen. Das Fehlen einzelner Riesen-Player auf dem Markt gleicht das Netzwerk durch seine weite Verzweigung aus. „Im Moment wachsen wir relativ schnell, immer mehr Unternehmen interessieren sich“, sagt Dominik Gronarz, Mitgründer und Geschäftsführer von OES. Die Mitglieder, zwei Drittel aus der Industrie und eins aus der Forschung, sind eng miteinander verzahnt. Für Forscher sei es „wichtig, mit der Industrie zu sprechen, um zu wissen, wo der Schuh drückt“, sagt Karl Leo.

Das wohl erfolgreichste OES-Kind heißt Novaled. Das von Leo gegründete Unternehmen stellt OLEDs her, ultra leichte und hauchdünne Displays, flexibler als die langsam überholte LCD-Generation. Kleine Firmen wie Novaled können sich durch OES mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern, Zulieferern und Kunden vernetzen. OES vermittelt Kontakte zu politischen Ansprechpartnern und Investoren, präsentiert Unternehmen und ihre Ideen auf Messen, Konferenzen und in den Medien. Interessierte können Teil des Vorstands werden. Für Novaled konnte OES sogar den Technik-Riesen Samsung begeistern. 2013 hat der koreanische Konzern die sächsische Uni-Ausgründung aufgekauft. Für Ziehvater Karl Leo bedeutet das Wermutstropfen und Stolz zugleich. „Das Glas ist halb voll“, sagt er. Irgendwann findet wohl jede zukunftsweisende Erfindung vom Labor aufs Fließband.

OLEDs sind erst der Anfang dessen, was Leo und Gronarz sich auf dem Feld der organischen Elektronik vorstellen können. Im Gegensatz zur klassischen Elektronik basiert die organische nicht auf Silizium – das sind winzig kleine Kristalle, die bei der Herstellung von Elektronik auf mehr als 1000 Grad Celsius erhitzt werden müssen. Das Endprodukt ist sehr leistungsstark, kostet aber mehr und ist in seiner Beschaffenheit spröder als organische Elektronik. Die basiert auf Kohlenstoff, ist flexibler, kann als dünne Schicht auf Folien aufgetragen werden und lässt sich schon bei 120 Grad verarbeiten. Sie kommt ohne Schwermetalle und Giftstoffe aus, ist leicht zu entsorgen – und dann kann sie auch noch leuchten. Hokuspokus? Im Bereich der Medizintechnik sind noch ganz andere Zauberkunststücke denkbar, wenn es nach OES geht. Leo liegt das Auge besonders am Herzen. „Gemeinsam mit der Hektarstiftung und der Universität Tübingen arbeiten wir daran, die Retina zu verbessern“, sagt er. „Es gibt viele Anwendungen, mit deren Hilfe man die Nerven elektrisch stimulieren kann. Auch gegen Epilepsie könnte man organische Elektronik einsetzen, als kohlenstoffbasierte Technologie ist sie viel besser mit dem Körper verträglich als Silizium.“ Gemeinsam mit Gronarz bildet Karl Leo eine Art denkerisches Duo. „Ich kann mir gut vorstellen, Sensoren ins Gehirn zu implantieren, um Alzheimer oder einen Schlaganfall rechtzeitig zu detektieren“, sagt Gronarz. Ideen haben Leo und Gronarz viele. Ein Langzeit-EKG soll nur noch mit Pflastern und ohne Verkabelungen funktionieren, Medikamente durch Pflaster verabreicht werden.

Finanziert werden die Ideen von OES größtenteils durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Land Sachsen und die EU. Mit OES-Gemeinschaftsständen auf Messen präsentiert das Netzwerk sich auch international, wie auf der Nano Tech in Japan. Kooperationsverträge mit der Yamagata-Universität und 17 japanischen Unternehmen sind in Arbeit. Netzwerktreffen und Messeauftritte ermöglichen es Industrie und Forschung, Ideen auszutauschen. Solarzellen etwa lassen sich langfristig dank organischer Elektronik als günstige Massenware von der Rolle produzieren, meinen die Experten. „Dafür ist die Technik aber noch zu jung“, sagt Leo. Gerade Ideen wie diese, die bislang im Vorhof des Umsetzbaren auf Produktion und Abnahme verharren, brauchen OES.

Sie begeistert Menschen

Janine Koska organisiert Netzwerk-Events in Magdeburg. FOTO: VS
Janine Koska organisiert Netzwerk-Events in Magdeburg. FOTO: VS
Ihre Gäste würde Janine Koska manchmal auch gern im eigenen Restaurant begrüßen. „Ich liebe kochen und bin gerne Gastgeber“, sagt die 35-Jährige. Doch auch ohne einen eigenen Gourmet-Tempel gelingt es der jungen Frau mit bulgarischen Wurzeln immer wieder, Menschen zusammenzubringen: Koska organisiert mit ihrem Geschäfts- und Lebenspartner Martin Hummelt seit Jahren große Netzwerk-Events in Magdeburg. Nach ihrem Studium und einigen Praxisstationen bei Radiosendern gründete Koska 2009 ihre eigene PRAgentur in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Seitdem hat sie Veranstaltungen wie die Job-Messe „Hierbleiben“ oder den Firmenstaffellauf auf die Beine gestellt. Koska spricht ebenso viel wie sie lacht. Ihre Art kommt bei den Leuten an. „In den vergangenen Jahren ist es mir gelungen, ein großes Netzwerk aufzubauen. Meine Stärke liegt darin, Menschen zu begeistern“, sagt sie. Dominik Barth

Biogas-Profi am Zuckerhut

Torgelower Unternehmen verkauft speziell für Brasilien entwickelte Stromerzeuger

Me-Le-Chef Dietrich Lehmann (r.) und Bauleiter André Tresp auf der Baustelle einer Biogas-Anlage in Torgelow. FOTO: JÖRG SPREEMANN
Me-Le-Chef Dietrich Lehmann (r.) und Bauleiter André Tresp auf der Baustelle einer Biogas-Anlage in Torgelow. FOTO: JÖRG SPREEMANN
Von Jörg Spreemann 

Torgelow. Dietrich Lehmann muss nicht allzu lange überlegen, wenn er nach dem Land der Welt gefragt wird, in dem er als Exporteur am liebsten Geschäfte macht. „Die Brasilianer haben eine leichte Lebensart und ein angenehmes Klima“, sagt der Geschäftsführer der Torgelower Me-Le-Energietechnik sofort. Lehmanns Exportschlager: Biogas-Anlagen, die speziell für die brasilianische Landwirtschaft entwickelt wurden.

Die Nachfrage nach den Me-Le-Biokraftwerken hat mit dem Appetit der Brasilianer auf Schweinefleisch zu tun. Und der Furcht, dass die in großer Menge anfallende Gülle irgendwann das Grundwasser verseuchen könnte. Mit der Erfahrung von mehr als 100 gebauten Biogas-Anlagen hat das Unternehmen aus Vorpommern gemeinsam mit der Hochschule Neubrandenburg ein Verfahren entwickelt, das die Verwertung großer Mengen Schweinegülle zur Stromerzeugung ermöglicht. Das Unternehmen errichtet in Eigenverantwortung die Stromerzeuger schlüsselfertig – nicht nur in Brasilien, sondern auch in China, Vietnam und Indien.

Vor 15 Jahren hat Me-Le seine erste Biogas-Anlage gebaut. Für einen technischen Gebäudeausrüster wie Me-Le sei der Boom der landwirtschaftlichen Stromerzeuger ein Glücksfall gewesen, sagt der 66-jährige Unternehmer. Inzwischen bringt die Biogas-Sparte knapp ein Drittel des Umsatzes der Me-Le-Gruppe, die heute rund 550 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir haben schnell verstanden, dass wir Anlagenplanung und -bau komplett in die Hand nehmen müssen, damit für uns nicht nur die Krümel vom großen Kuchen übrig bleiben“, stellt Lehmann klar.

Me-Le ist Partner im Netzwerk enviMV. Hier haben sich Unternehmen gefunden, die sich den Umwelttechnologien verschrieben haben – als Projektierer, Ausbilder, Anlagenbauer oder Abfallexperten. „Mit dieser Kraft im Rücken können wir selbstbewusst auftreten“, begründet Lehmann sein Engagement.

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