Menü
Anmelden
Home Sonderthemen Havelland Vom Bootsführer bis zum Bordmechaniker
14:30 06.03.2018
Klar zum Anlegen: Julian Schnieders bei der Arbeit. FOTOS: DPA
Anzeige

Von Verena Wolff  

Binnenschiffer sind viel auf den Wasserstraßen in Deutschland und dem angrenzenden Ausland unterwegs – aber kein Arbeitstag gleicht dem anderen. Sie müssen Techniker sein, nautisches Verständnis haben und einen Haushalt führen können. 

Julian Schnieders ist schon früh auf ein Schiff gekommen - sechs Jahre alt war er, als der Onkel ihn auf seinem Binnenschiff mitnahm. „Das muss mich in jungen Jahren wohl so fasziniert haben, dass ich immer wieder und länger mitgefahren bin“, sagt der heute 19-Jährige, der im dritten Jahr der Ausbildung zum Binnenschiffer ist. Der Onkel ging in Rente, als Julian 13 war. „Ich hatte aber immer das Bedürfnis, wieder auf einem Schiff zu fahren und zu arbeiten.“

Den Ausbildungsplatz fand er auf einem Tankschiff eines Familienbetriebs, die Chemie stimmte. Und so fährt Schnieders an Bord der „Charisma“ jetzt über die Flüsse und Kanäle in Deutschland und dem angrenzenden Ausland.

Ohne Faszination geht es nicht, sagt Volker Müßig. Er ist der Leiter des Schulschiffes „Rhein“. „Wer Binnenschiffer wird, der muss diesen Beruf gern machen“, sagt Müßig, der im Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) ist.

Auch Julian Schnieders hat bereits Erfahrung mit seinen Schichten – häufig heißen die 14/14. „Das bedeutet, dass ich zwei Wochen ununterbrochen an Bord bin und dann zwei Wochen frei habe“, erläutert er. Allerdings bedeutet das auch, dass man nicht jedes Wochenende bei Freunden oder der Partnerin sein kann.


Weder ein Job für Mimosen noch für Egoisten.

Volker Müßig Schulschiffleiter


Um die Ausbildung zum Binnenschiffer gut hinter sich zu bringen, müssen die jungen Leute einiges mitbringen. „Das ist weder ein Job für Mimosen noch für Egoisten“, sagt Müßig. „Wir brauchen Leute mit hoher Sozialkompetenz, die ein gutes technisches Verständnis haben und bei allem einspringen, was zu tun ist“, sagt Klaus Paulus, der Schulleiter des zur „Rhein“ gehörenden Berufskollegs ist.

Dabei kommt es heute nicht mehr so auf Kraft an. „Vieles wird per Joystick oder Touchscreen bedient“, so Azubi Schnieders. Trotzdem vermittelt die Schule die Basis dessen, was sich hinter Technik und Mechanik verbirgt.

Formale Voraussetzungen verlangen die Binnenschiffer nicht. „Früher war das ein Beruf, der lauter Leute ohne Schulabschluss eingesammelt hat“, so Müßig. Das sei nicht mehr so. „Man muss ein technisches Grundverständnis mitbringen und die deutsche Sprache beherrschen“, sagt Paulus. Auch Englisch werde immer wichtiger und geprüft. Viele Auszubildende seien Umschüler – der älteste war 54 Jahre alt. In einem normalen Jahrgang variiere das Alter zwischen etwa 16 und 30 Jahren. Auch immer mehr Frauen gibt es in der Ausbildung.

Arbeit gibt es für die Bootsleute auf Passagier-, Güteroder Tankschiffen. Auch Fähren und Schlepper können Einsatzorte sein. Die Binnenschiffer sind für Schiffe und Ladung gleichermaßen verantwortlich. Sie seien „Maschinisten, Elektriker, Maler und Hauswirtschafter in einem“, sagt Paulus. Nach der Bootsmannprüfung, wie die Gesellenprüfung heißt, können die Binnenschiffer nun auch den Meister machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit des dualen Studiums.


Bundeswehr
2
/
6
Anzeige
Datenschutz