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Von Natalie Preißler  

Rathenow. Die Stille, der Nieselregen und das beständige Rauschen des Herbstwindes in den Bäumen begleiten dieser Tage die Besucher des historischen Friedhofs am Rathenower Weinberg. Das Torhaus, welches 1759 errichtet wurde und als Leichenhalle diente, markiert den Eingang. „Auf dem Boden des Hauses wurden die Bahren der jeweiligen Zünfte aufbewahrt, mit denen die Verstorbenen abgeholt und zum Friedhof gebracht wurden“, erzählt Eva Lehmann, Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung der Evangelischen Kirchengemeinde.

Neben dem allgemeinen Tagesgeschäft des Friedhofs ist die 67-Jährige über die Jahre auch zur Expertin der Rathenower Grabstätten auf den historischen Teilen am Weinberg geworden.

Dazu gehören natürlich alte Grabanlagen der Optiker-Familien, aber auch Vertreter des Militärs haben hier samt Angehörigen ihre letzte Ruhe gefunden.

Umfassende Lektüre zu Optiker-Familien

Es ist wie eine Zeitreise zum Beginn des 19. Jahrhunderts, als Johann Heinrich August von Duncker mit dem Garnisonspfarrer Samuel Christoph Wagener die „Königlich privilegierte optische Industrie-Anstalt“ eröffnete. Erst kürzlich erschien ein Buch über die Rathenower Grabstätten. Darin steckt die über zwei Jahrzehnte andauernde Forschung zu den Persönlichkeiten und Unternehmen der optischen Industrie Rathenows des Autors Martin Manns. Hier finden sich in einem lesenswerten Rundgang über den historischen Friedhof Biografien und Betriebsgeschichten, die anlässlich des 250. Geburtstages Dunckers veröffentlicht wurden. Leider verstarb der Autor inzwischen, hinterlässt aber mit der zweiten erweiterten Auflage der Stoffsammlung ein unentbehrliches Stück Zeitgeschichte Rathenows.

Neben Duncker und seiner Familie sind rund 60 weitere Familiengrabstätten der Optikindustrie auf dem 18 Hektar großen Areal zu finden. Dies ist nicht viel im Vergleich dazu, dass rund 280 verschiedene Firmen rund um die Optik in der Stadt ansässig waren. Und obwohl der Friedhof unter Denkmalschutz steht, werden wohl weitere historische Grabstätten verschwinden. „Letztlich ist es natürlich die Entscheidung der Familie, die Grabstätten beräumen zu lassen, aber inzwischen kämpfen wir dafür, dass so viele wie möglich erhalten bleiben“, sagt Lehmann.

Mächtig und raumnehmend erscheinen die Familiengrabstätten. Wie zum Beispiel jene der Familie Meuß. Hier ruhen Kaufleute, Goldschmiede und Pfarrer, aber auch Mitarbeiter der Optikindustrie. Vorbei an weiteren Gruften und zeitgenössischen Gräbern passiert man auch die Grabstätte der Familie des Arztes Bismarcks. Oder die des Flugzeugingenieurs Ernst Dreblow, der 1931 mit dem deutschen Marineoffizier Gunther Plüschow bei der Flugzeug-Expedition über Feuerland ums Leben kam.

„Über seine Identität weiß man nicht viel. Manche munkeln, er sei ein Spion gewesen“, erzählt Lehmann. Auf dem Waldfriedhof ruht auch Ernst Kolbe, ein deutscher Impressionist, dessen schmuckvoller Grabstein aus Naturstein einem Berg in den Alpen nachempfunden ist.

Der historische Friedhof in Rathenow ist ein Ruheort, an dem nicht nur Angehörige Trost und Zeit zum Trauern finden, sondern auch Geschichten über vergangene Zeiten wieder aufleben. Ein historischer Ort, dem Martin Manns ein schriftliches Denkmal gesetzt hat.

Info: Wer jetzt Lust auf eine Führung auf dem historischen Friedhof bekommen hat, kann sich hier melden: Christa Eißer, Friedhofsweg 4, 14712 Rathenow, Tel.:0 33 85 – 54 70 10

Grüne Bestattung ist gefragt

Viele Menschen interessieren sich für eine Bestattung nach ökologischen Kriterien, so die Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Bestatter. Die Bestattungsunternehmen haben sich darauf eingestellt und können ihre Kunden beispielsweise beraten, ob die Urne biologisch abbaubar ist oder die Stoffe bei Sargauskleidung und Decke das Bio- Siegel verdienen. Erst jüngst wurde auf einer Fachmesse für Bestattungswaren ein elektrisch angetriebener Bestattungswagen vorgestellt, der die Überführung zum Friedhof CO2-neutral erlaubt. Und Bestatter Werner Kentrup hat gerade erst die sogenannte „Grüne Linie“ auf den Markt gebracht und versteht darunter eine ökologisch nachhaltige Bestattung. Bei allen Produkten rund um den Friedhof wie zum Beispiel Grabsteinen oder Grabbepflanzung können solche Kriterien berücksichtigt werden.

Dabei arbeiten die Bestatter mit Steinmetzen und Friedhofsgärtnern zusammen, die sich ebenfalls der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Sie kennen die Vorschriften, die auf dem jeweiligen Friedhof herrschen, und wissen, welche Gestaltungsspielräume es gibt. In den 1960er Jahren sprach man bei einer Bestattung von qualitativ hochwertig, wenn etwa ein Eichensarg Verwendung fand. Bestatter wissen, dass heute nicht die Art des Holzes für die Qualität eines Sarges entscheidend ist, sondern die Gesamtverarbeitung und ein ökologisch nachweisbarer Herstellungs- und Produktionsprozess.

Nachlass 2.0: Tipps für das digitale Erbe

So können Kunden- und Userdaten im Internet nach dem Tod verwaltet werden

Der digitale Nachlass in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. sollte frühzeitig geregelt werden. FOTO: PIXABAY
Der digitale Nachlass in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. sollte frühzeitig geregelt werden. FOTO: PIXABAY
Einen geliebten Menschen zu verlieren ist immer schmerzvoll. Es braucht Zeit, um zu realisieren, dass die Person nicht mehr da ist. Heute gilt es jedoch nicht nur den materiellen, sondern auch den digitalen Nachlass zu regeln. Und das am besten schon zu Lebzeiten.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat dazu einige hilfreiche Tipps zusammengestellt.

1. Es ist wichtig, eine Person mit allen Daten und Aufgaben rund um das digitale Erbe zu betrauen.

2. Der ausgewählten Person sollte eine Vollmacht für den digitalen Nachlass „über den Tod hinaus“ erteilt werden.

3. In der Vollmacht sollte detailliert vermerkt sein, welche Daten gelöscht werden sollen, was mit Accounts in sozialen Netzwerken passieren soll und wie mit Fotos im Netz umgegangen wird.

4. Eine Liste mit allen Benutzerkonten und Passwörtern sollte an einem sicheren Ort verwahrt und ständig aktualisiert werden.

5. Die Daten am besten auf einem verschlüsselten oder mit einem Passwort geschützten USB-Stick oder anderem Medium an einem sicheren Ort wie in einem Tresor oder Bankschließfach verwahren.

6. In dem Zusammenhang sollte auch festgelegt werden, was mit Daten auf technischen Endgeräten wie Smartphones, Tablet und Co. passieren soll.

7. Falls eine Firma mit der Regelung des digitalen Nachlasses betraut wird, sollten unbedingt Leistungsumfang und entstehende Kosten hinterfragt werden. Zudem ist davon abzuraten, diesen Firmen Passwörter oder Endgeräte zu überlassen. Zu viele persönliche Daten könnten an Unbefugte gelangen.

Immer öfter werden auch digitale Trauerportale von Angehörigen genutzt, um auch online Abschied zu nehmen und zu trauern. Hier können Erinnerungen an den Verstorbenen geteilt werden, digital Kerzen angezündet oder ein digitales Kondolenzbuch geführt werden.

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